Für deutliches Farbsehen brauchen die Zapfen in deiner Netzhaut genügend Licht. Wird es dunkler, tragen die lichtempfindlicheren Stäbchen stärker zum Sehen bei. Stäbchen allein ermöglichen keinen Farbvergleich. Deshalb werden Farben schwerer unterscheidbar.
Am Abend wirken bunte Dinge oft weniger farbig. Ihre Oberfläche verliert dabei nicht einfach ihre Farbe. Entscheidend ist auch, wie unser Sehsystem mit wenig Licht umgeht. Das Titelbild ist eine Illustration, keine genaue Nachbildung deiner Wahrnehmung.
Licht wird zu Signalen
Licht von einem Gegenstand gelangt durch Pupille und Linse auf die Netzhaut hinten im Auge. Dort reagieren lichtempfindliche Zellen. Ihre Signale werden weiterverarbeitet und über den Sehnerv zum Gehirn geleitet.
Zwei wichtige Zelltypen heißen Zapfen und Stäbchen. Sie helfen uns unter unterschiedlichen Lichtbedingungen.
Zapfen helfen beim Farbvergleich
Die meisten Menschen haben drei Zapfentypen. Sie reagieren unterschiedlich auf kurze, mittlere und lange Lichtwellen. Ihre Empfindlichkeitsbereiche überlappen: Ein Zapfentyp ist kein Messgerät nur für eine einzige Farbe.
Das Sehsystem vergleicht die Signale verschiedener Zapfen. So können wir viele Farben unterscheiden. Bei sehr wenig Licht liefert dieses System weniger brauchbare Farbinformation.
Stäbchen kommen mit wenig Licht aus
Stäbchen sind empfindlicher für schwaches Licht als Zapfen. Sie helfen uns, bei wenig Licht Helligkeitsunterschiede und Umrisse zu erkennen. Stäbchen allein können Farben jedoch nicht auseinanderhalten.
In der Dämmerung wirken meist noch beide Zelltypen mit. Es gibt keinen plötzlichen Schalter, der alle Farben ausschaltet. Bei sehr schwachem Licht und überwiegendem Stäbchensehen bleibt vor allem ein Eindruck von Hell und Dunkel.
Gewöhnung braucht Zeit und trotzdem Licht
Nach dem Wechsel aus einem hellen in einen dunkleren Raum erkennst du oft erst nach einiger Zeit mehr. Die Pupille kann sich weiten; auch das Sehsystem passt seine Empfindlichkeit an. Das heißt Dunkelanpassung.
Dadurch kehren nicht automatisch alle Farben zurück. In völliger Dunkelheit ohne einfallendes Licht sehen wir nichts. Wie etwas aussieht, hängt außerdem vom Licht auf dem Gegenstand und von der Person ab.
Farbkarten im selben Zimmer vergleichen
- Lege mit einem Erwachsenen rote, grüne, blaue und weiße Papierkarten auf einen Tisch. Bleibt sitzen und betrachtet sie bei normaler Zimmerbeleuchtung. Notiert, welche Farben ihr gut unterscheiden könnt, ohne die Karten zu vertauschen.
- Der Erwachsene verringert die Raumbeleuchtung etwas, etwa indem er eine von mehreren Lampen ausschaltet. Genug Licht zum sicheren Sehen bleibt an. Lasst die Karten liegen. Beobachtet zunächst sofort und dann nach einigen Minuten: Sind Farben oder nur Umrisse noch gut erkennbar?
- Schaltet die normale Beleuchtung wieder ein. Vergleicht eure Notizen. Auch ein kleiner oder fehlender Unterschied ist ein Ergebnis. Lampenfarbe, Restlicht, Papier und Erinnerung beeinflussen den Vergleich; die Beobachtung misst keine einzelnen Sehzellen und ist kein Sehtest.
Ein Erwachsener bedient die Raumbeleuchtung. Bleibt am freien Tisch sitzen und lasst sichere Orientierung möglich. Keine Lampen abdecken, keine Kerzen, Laser oder hellen Taschenlampen verwenden und nie in Sonne oder Lichtquellen starren. Wenn das Beobachten unangenehm wird, normal beleuchten und aufhören.
Zum Mitnehmen
Zapfen ermöglichen den Farbvergleich bei genügend Licht. Bei wenig Licht helfen stärker die Stäbchen, die allein keine Farben unterscheiden. Dunkelanpassung macht schwaches Licht besser nutzbar, ersetzt es aber nicht.
Warum können Farben bei sehr wenig Licht schwerer erkennbar sein?
Quellen & Weiterlesen
National Eye Institute · How the Eyes Work ↗Arizona State University · Rods and Cones ↗OpenStax · Introduction to Behavioral Neuroscience: The Retina ↗OpenStax · Psychology 2e: Vision ↗Unsere Texte erklären die Grundidee in eigenen Worten. Bilder und Modelle vereinfachen die Wirklichkeit; sie sind nicht maßstabsgetreu.
