Viele junge Triebe richten ihr Wachstum zum Licht aus. Bei Licht von einer Seite kann die schattige Seite im wachsenden Stängel stärker in die Länge wachsen. Dadurch krümmt sich der Trieb zur helleren Seite. Diese gerichtete Wachstumsreaktion heißt positiver Phototropismus.
Das Titelbild ist eine Illustration eines jungen Triebs am Fenster. Es zeigt kein gemessenes Versuchsergebnis. Gut beobachten lässt sich die Veränderung mit Fotos über mehrere Tage.
Pflanzen nehmen Licht wahr
Pflanzen brauchen keine Augen, um auf Licht zu reagieren. Spezielle lichtempfindliche Eiweiße in ihren Zellen lösen Signale aus.
Für diese Wachstumsrichtung sind besonders Sensoren für blaues Licht wichtig: Phototropine. Auch gewöhnliches Tageslicht enthält blaue Lichtanteile.
Ein Botenstoff verändert das Wachstum
Ein wichtiger pflanzlicher Botenstoff heißt Auxin. Bei einseitigem Licht kann sich davon mehr auf der schattigen Seite eines jungen Triebs sammeln.
Dort fördert Auxin die Streckung der Zellen stärker als auf der beleuchteten Seite. Entscheidend ist der Unterschied zwischen den Seiten, nicht ein Zug am ganzen Topf.
Die längere Seite liegt außen
Wächst eine Seite stärker in die Länge, liegt sie an der Außenseite der entstehenden Kurve. Die kürzere, beleuchtete Seite liegt innen: Die Spitze neigt sich zum Licht.
Das passiert vor allem in noch wachsenden Bereichen. Ein alter verholzter Stängel muss sich deshalb nicht sichtbar krümmen. Art, Alter und Lichtbedingungen beeinflussen die Reaktion.
Eine Kurve erklärt noch nicht alles
Die Ausrichtung kann Blätter in eine günstigere Lage zum Licht bringen. Licht liefert Energie für die Fotosynthese. Auch die Schwerkraft beeinflusst die Wuchsrichtung.
Ein schiefer Topf, Welken oder eine Stütze können ebenfalls eine Neigung verursachen. Beobachtet darum den neuen Wuchs bei aufrechtem Topf und gleichmäßiger Pflege. Ein Foto allein weist Auxin nicht nach.
Neuen Wuchs am Fenster verfolgen
- Nehmt mit einem Erwachsenen zwei gesunde, ähnlich große junge Bohnenpflanzen derselben Sorte in gleichen Töpfen mit ähnlicher Erde. Stellt beide aufrecht nebeneinander an einen hellen Platz mit seitlichem Fensterlicht, ohne heiße direkte Sonne oder Zugluft. Markiert vorne an jedem Topf eine Stelle mit Klebeband und fotografiert beide aus derselben Richtung.
- Lasst die Töpfe zunächst einen Tag unverändert stehen. Dreht dann nur einen Topf um eine halbe Umdrehung um seine senkrechte Achse, ohne ihn zu kippen. Fotografiert sofort: Diese Drehung selbst ist noch keine Wachstumsreaktion. Fotografiert beide Pflanzen danach drei Tage lang täglich zur gleichen Zeit aus derselben Richtung.
- Vergleicht vor allem die jüngsten Stängelabschnitte: Ändert sich ihre Richtung zum Fenster? Haltet Wasser, Temperatur und Abstand zum Fenster möglichst ähnlich; notiert Wetter und Pflege. Wiederholt die Beobachtung bei Gelegenheit mit weiteren Pflanzen. Keine oder geringe Krümmung ist ebenfalls ein Ergebnis; ihr messt dabei keine Auxinmenge.
Ein Erwachsener hilft beim Umstellen. Töpfe standsicher und entfernt von der Tischkante auf Untersetzer stellen; nicht auf Fensterbänke klettern. Pflanzen und Erde nicht essen, Hände danach waschen. Keine Stängel biegen, Spitzen abschneiden oder Pflanzen im Dunkeln einsperren. Keine heißen Lampen und keine Wachstumsmittel verwenden.
Zum Mitnehmen
Junge Triebe können zum Licht wachsen, weil ihre Seiten unterschiedlich stark länger werden. Lichtsignale und der Botenstoff Auxin steuern diese Reaktion mit. Beobachtet neuen Wuchs über Zeit; eine Neigung allein verrät ihre Ursache nicht sicher.
Welche Seite eines jungen Triebs wächst beim typischen Krümmen zum seitlichen Licht stärker in die Länge?
Quellen & Weiterlesen
New York Botanical Garden · Houseplant Basics ↗NASA / Goddard Space Flight Center · Plant Maze Experiment ↗Cambridge University Press · NSSC Biology, Module 2, Phototropism (PDF, S. 7–8) ↗OpenStax / Rice University · Plant Sensory Systems and Responses ↗Unsere Texte erklären die Grundidee in eigenen Worten. Bilder und Modelle vereinfachen die Wirklichkeit; sie sind nicht maßstabsgetreu.
