Wasser kann an seiner Oberfläche zu unsichtbarem Wasserdampf werden, auch ohne zu kochen. Das heißt Verdunstung. Direkter Sonnenschein ist dafür nicht nötig. Energie kann auch aus dem Wasser und seiner Umgebung kommen.
Nach dem Regen liegt eine Pfütze im Schatten. Stunden später ist der Boden trockener. Ein Teil des Wassers ist nun als Gas in der Luft. Es wurde weder vernichtet noch zu Luft umgewandelt: Es ist weiterhin Wasser.
Verdunsten ist kein Kochen
Wasser besteht aus winzigen Molekülen, die sich ständig bewegen. Manche können an der Oberfläche mit genügend Bewegungsenergie aus der Flüssigkeit entkommen. Sie verteilen sich als Wasserdampf in der Umgebung.
Das geschieht schon bei gewöhnlichen Alltagstemperaturen. Beim Kochen entstehen dagegen Dampfblasen im Inneren der Flüssigkeit. Unsichtbarer Wasserdampf ist keine weiße Wolke: Sichtbarer Nebel besteht aus vielen kleinen Flüssigkeitströpfchen.
Wind und Feuchte zählen
Wassermoleküle können die Oberfläche verlassen und aus dem Gas auch wieder ins Wasser zurückkehren. Befindet sich bei gleicher Temperatur schon viel Wasserdampf über dem Wasser, ist der Verlust durch Verdunstung meist kleiner.
Wind transportiert feuchte Luft von der Oberfläche weg. Weniger feuchte Luft kann nachströmen. So kann eine Pfütze schneller trocknen. Ein Deckel erschwert diesen Austausch; die Luft darunter wird feuchter.
Auch im Schatten gibt es Energie
Verdunstung braucht Energie. Ein Teil kommt zunächst aus dem Wasser selbst, das dabei abkühlen kann. Wärme kann aus der umgebenden Luft und dem Boden nachfließen. Sonnenlicht erwärmt oft Wasser und Boden und kann das Trocknen beschleunigen.
Wie lange es dauert, hängt unter anderem von Temperatur, Luftfeuchte, Luftbewegung und Größe der Wasseroberfläche ab. Draußen kann Wasser zusätzlich im Boden versickern oder abfließen. Eine kleiner werdende Pfütze allein beweist deshalb nicht, wie viel verdunstet ist.
Zwei kleine Wasserproben im Schatten
- Stelle zwei gleiche, dichte, flache Schalen auf ein Tablett. Gib in jede gleich viel Wasser bei Raumtemperatur, zum Beispiel zwei Esslöffel. Lass eine offen und decke die andere mit einem passenden Deckel ab. Stelle beide nebeneinander, ohne direkte Sonne oder Heizung.
- Notiere die Uhrzeit und beobachte nach einigen Stunden und am nächsten Tag die Wassermenge. Öffne die abgedeckte Schale erst am Ende. Mit einer Küchenwaage kannst du jede Probe am Anfang und Ende wiegen: Bei der abgedeckten Probe bleibt derselbe Deckel bei beiden Wägungen dabei.
- Vergleiche jede Probe mit ihrem eigenen Anfangswert. Die offene Probe verliert häufig mehr Wasser. Ist die Änderung zu klein, beobachte länger. Ein undichter Deckel lässt ebenfalls Wasserdampf entweichen; dieser Vergleich liefert keine allgemeine Trocknungszeit.
Verwende wenig Wasser, stabile Schalen und einen festen Platz fern von elektrischen Geräten. Erwärme das Wasser nicht und trinke die Proben nicht. Kinder beobachten mit einer erwachsenen Person.
Zum Mitnehmen
Verdunstung macht flüssiges Wasser zu unsichtbarem Wasserdampf. Sonne kann helfen, doch Wasser muss dafür weder kochen noch direkt in der Sonne stehen.
Kann Wasser bei Raumtemperatur im Schatten verdunsten?
Quellen & Weiterlesen
USGS Water Science School · Evaporation and the Water Cycle ↗OpenStax College Physics 2e · Humidity, Evaporation, and Boiling ↗UCAR Center for Science Education · Humidity ↗Unsere Texte erklären die Grundidee in eigenen Worten. Bilder und Modelle vereinfachen die Wirklichkeit; sie sind nicht maßstabsgetreu.
